Es grünt so grün, wenn durch Apps die Pflanzen wieder blüh'n
„TADAAA!!!“ Schwungvoll öffnet Iris ihrem Freund Florian die Tür zu ihrer ersten eigenen Wohnung und schubst ihn liebevoll hinein (so liebevoll, dass er fast gestolpert wäre, so wie sein Herz es tun würde, wenn gerade aus dem Nichts ein Düsenjet in zwei Metern Höhe über ihn hinweg donnert – aber darum wollen wir uns jetzt nicht kümmern).
Sie überholt ihn und zieht ihn – während er mühsam versucht, sein Gleichgewicht wiederzufinden – an einer Hand hinter sich her: „Guck mal: Das ist mein Flur und hier meine Küche und das mein Schlafzimmer und hier der Wohnraum und hiiiiiiier“, ihre Stimme schraubt sich in die Tonlage einer auf dem höchsten Loch geprusteten Flöte, „mein Balkooohon! Ist das nicht alles wunderschööön?“
Da dieser Rundgang nur etwa 38 Sekunden gedauert hat, kann er nur prustend zurückschnaufen: „Jaha, is' irgendwie … äh … so … nun, wie soll ich sagen … Blümerant?“
Mit diesem letzten Wort hat er eine clevere Kombination aus seiner körperlichen Verfassung (flau im Magen) und dem Anblick, der sich ihm gerade bietet, gefunden: Es befindet sich noch kein einziges Möbelstück in der Wohnung, dafür aber gefühlt 22.000 Blumen und Pflanzen von mini bis maxi (analog zum Berliner Botanischen Garten) in allen nur erdenklichen Nischen, sogar unter den Heizkörpern in Kästen und als kleines Rondell rund ums Klo. Plus einer Ecke mit bis zur Decke (Altbau: 4,50 Meter hoch) ineinander gestapelten Kartons.
„Wie hast du die denn alle hierhergeschafft, mein Wirbelwind-Röschen?“, fragt er sie stirnrunzelnd, was durch die marathon-läufer-ähnlichen Schweißtropfen in seinem Gesicht ein bisschen an gut eingebettete Miniflüsse erinnert. „Und … äh, du hast doch gar keinen grünen Daumen?“, setzt er vorsichtig nach. (Das tut er deshalb, weil Iris passend zu dem Szenario, in dem sich die beiden gerade befinden, manchmal eine kleine Mimose sein kann. Da reicht nicht nur ein falsches Wort, da genügt schon ein einziger verdrehter Buchstabe und schon geht sie an die Decke. Von der er sie dann wieder runterholen muss. Hat er schon mehrfach erlebt. Zu oft. Das MUSS er einfach vermeiden.)
Sie lacht ihn strahlend an (uffff), dreht sich um und steuert auf eine kleine Abstellkammer zu, während sie ihm glucksend wie ein defekter Abfluss, in dem gerade langsam das Wasser nachsickert, über ihren Rücken zuruft: „Hab' ich alle bei Amazon bestellt, haben die direkt bis vor die Tür geliefert und Lilly hat mir geholfen, die Schmuckstückchen reinzutragen. Uhhund, was den grünen Daumen betrifft“, jetzt hört Florian es ein bisschen poltern und rascheln, dann kommt sie wieder mit wippendem Pferdeschwanz mit irgendwas auf ihn in Känguru-Manier zu gehoppelt, „für den grünen Daumen hab' ich schon eine Lösung gefunden, hier, schau mal.“
Sie bremst rechtzeitig vor ihm ab (Gott sei Dank, er wollte schon ein Ausweichmanöver starten, man kennt ja die Geschichten von australischen Beuteltieren, die dich schnell mal ummetern können), öffnet einen Tuschkasten, spuckt in Ermangelung eines Wasserglases auf einen Pinsel und patscht sich übermütig die Hände mit Farbe voll. In Grün.
„Siehste! Jetzt hab' ich sogar zwei davon“ giggelt sie stolz und streckt ihm zwinkernd die Daumen hoch entgegen.
„Na, dann kann ja gar nix mehr schief gehen, so wirst Du das Kind … äh … den Urwald hier ganz bestimmt schaukeln!“, grinst Florian sie mit hinter dem Rücken gekreuzten Fingern an. Jetzt bloooß nix Verkehrtes sagen!
Drei Wochen später
Florian war auf Geschäftsreise in Japan und so gestresst beschäftigt, dass die beiden nur sehr wenig Kontakt hatten. Heute will er sie überraschen, er ist zwei Tage früher zurück als geplant und da er einen Schlüssel zu Iris' Wohnung hat, wird ihm das auch gelingen.
So öffnet er leise die Tür, was nicht so leicht ist, da er eine überdimensionale Yucca-Palme gekauft hat, unter deren Gewicht er fast zusammenbricht. Aber irgendwie schafft er es, sich damit in die Wohnung zu schleichen, während er höllisch aufpasst, nirgendwo anzuecken. Schon gar nicht bei seiner Freundin.
Dann sieht er sie im Wohnzimmer auf dem Boden hocken. Er will gerade auf sich aufmerksam machen, da stutzt er, weil er a) das plötzliche Gefühl nicht loswird, hier in einer Dürre-Perioden-, also der falschen Wohnung gelandet zu sein und b) ein leises Schluchzen hört.
„Hey, warum bist du denn so geknickt?“
Sie schaut mit verheulten Augen zu ihm auf, ein Häufchen Elend, und zeigt rundherum auf die dazu passende Umgebung.
„Weil meine Pflanzen es auch sind. SIEHST du das denn nicht???“
„Doch, doch, natürlich, das fällt ja auch einem Blinden mit dem Krückstock auf!!!, versichert er ihr eilig, während er sich fragt, ob auch ein Blinder ohne Krückstock die Misere hätte wahrnehmen können.
„JETZT übertreibst du aber!!!“, reagiert sie schnippisch und versprüht dabei so viel Gift, dass eine Schwarze Mamba blass vor Neid geworden wäre (was sie dann zur weißen Mamba gemacht hätte).
Ach herrje, es ist wieder so weit und diese Decken hier haben in der Höhe ja Cheops-Pyramiden-Charakter. Denk nach, Florian, DENK nach! Was sagst du denn jetzt nur am besten?
Bevor er sich eine strafmildernde Antwort überlegen kann, sprudelt es aus ihr heraus – auch aus den Augen in Form von Krokodilstränen:
„Dabei habe ich ihnen allen Namen gegeben, so wie bei Mama und Papa zu Hause ihren Geräten: Arielle, die Waschmaschine; Missis Propper, der Geschirrspüler; Herr James Muntermacher, der Kaffeeautomat; Röchler, der alte Staubsauger … aber hier wäre ich durcheinander gekommen bei so vielen, also habe ich sie nach dem Alphabet benannt und wenn das zu Ende war, noch Ä, Ö, Ü und EI, AU, EU dazu genommen und dann wieder von vorne angefangen: A1, B1, C1 … da hab ich wohl manchmal danebengelegen und das haben die mir übel genommen und obwohl ich sie JEDEN Tag gegossen und gedüngt und wenn es draußen zu dunkel war, mit der Taschenlampe angeleuchtet habe, sind die mir alle eingegangen oder krank geworden.“
Just in diesem Moment kommt Florian glücklicherweise eine rettende Blitzidee, die ihn vor einem drohenden Donnerwetter bewahren wird:
„Warte mal kurz, ich glaub, ich hab' da was für dich.“ In fieberhafter Hast zückt er sein Handy und googelt hektisch los. Ich hab' da doch vor kurzem eine passende Werbung gesehen, komm schon, lass mich dich finden! BITTE!!!
„Da isses!“ ruft er jäh so erleichtert aus, dass man meinen könnte, er hätte in Sekunden vier Kilo verloren und beginnt vorzulesen:
Hobbygärtner, Pflanzenfans und solche die es werden wollen, aufgepasst! Endlich ist der Frühling da, die Welt wird bunt und das soll sie auch bitte möglichst lange bleiben. Hier haben wir ein Helferlein entdeckt: Sie können Ihr Smartphone nämlich jetzt auch als Pflanzen-Doktor im Hosentaschenformat nutzen. Spezielle Apps helfen Ihnen per Kamera, die Gesundheit Ihrer grünen Lieblinge dauerhaft zu stabilisieren. Dabei stellen diese nicht nur die Gattung fest, sie können auch Fehler in der Pflege aufdecken und sogar Mangelerscheinungen oder Schädlingsbefall diagnostizieren.
Allerdings eignen sich im Dschungel der angebotenen Anwendungen längst nicht alle für eine präzise Fotoanalyse. Das Verbrauchermagazin „Guter Rat“ hat aber für Sie sechs der beliebtesten Apps an drei unterschiedlich angeknacksten Pflanzen getestet: eine Zimmeraralie mit Frostschäden, ein Zitronenbaum mit Schildläusen und eine vertrocknete Grünlilie.
Dabei konnte zwar meist der Name der Pflanze korrekt benannt werden, aber die Ferndiagnose funktionierte nur bedingt. So wurde von fünf Apps bei der Zimmeraralie ein vermeintlicher Pilzbefall vermutet; drei bieten stellenweise gut umgesetzte Ideen und hilfreiche Informationen, enttäuschen aber durch zu viele Patzer und nur die Hälfte konnte positiv bewertet werden. Hier sind die Gewinner:
„PictureThis“: gutMithilfe dieser App können die Nutzer in der kostenlosen Basisversion mit drei Fotos – statt wie sonst üblich nur einem – Pflanzen tatsächlich akkurat bestimmen lassen und Pflegetipps erhalten. Auch werden nur in diesem Programm vorab Angaben zu Standort und Pflege abgefragt – eine wichtige Information, um eventuelle Probleme wie zum Beispiel die zu kalte Lage der Zimmeraralie und die daraus entstandenen Frostschäden erkennen zu können.
In einem Abo ab 24,99 Euro im Jahr sind dann auch die Krankheitsbestimmung mit Behandlungsvorschlägen drin. Zusätzlich können Sie Ihre Pflanzen abspeichern und sich dadurch an die Pflege erinnern lassen – selbst ein Gießbedarf-Rechner und ein Lichtmesser sind mit dabei.
Trotzdem lag auch diese App nicht immer richtig.
„Plantura“: gutAuch wenn reichlich Eigenwerbung, die Anmeldepflicht nach mehrmaliger Nutzung und sogar technische Probleme nicht so wirklich benutzerfreundlich sind, punktet diese App mit folgenden Features:
Sie ist kostenlos (das dürfte durch den integrierten Online-Shop für Pflanzen und Pflegeprodukte machbar sein). Die Befunde anhand zweier Fotos waren größtenteils richtig. Wenn es Zeit ist zu gießen und zu düngen, macht sie sich bemerkbar. Zusätzlich stellt sie einen passenden Gartenkalender zur Verfügung. „Plant Parent“: befriedigendDa diese Anwendung zwar offensichtliche Missstände wie einen Mangel an Wasser identifiziert, in kniffligeren Fällen jedoch gerne mal daneben liegt, bildet sie das Schlusslicht unter den Top 3. Aber dafür ist die Pflanzenerkennung über drei Fotos ausgesprochen treffsicher. Auch hier gibt es Erinnerungen ans Gießen sowie allgemeine Tipps zum Umtopfen beziehungsweise Beschneiden. Ein besonderes Schmankerl: Sie können Profile Ihrer Pflanzen anlegen und deren Veränderung wie Wachstum, Blütenstand oder drohendes Eingehen protokollieren sowie echte Experten anschreiben – letzteres allerdings nur begrenzt oft. Die Premiumversion ist für 33,99 Euro im Jahr erhältlich.
Iris hat dann alle drei Versionen ausprobiert und ist bei der Mammutzahl ihrer Zöglinge immer noch dabei. Es scheint wirklich zu helfen, denn Florian hat bisher noch keinen auf den (Bier-, Topf-, Vorratsdosen-?) Deckel bekommen.
Probieren geht eben über Studieren, wie es so schön heißt.
Das gilt auch im Immobiliengeschäft, und zwar für Laien, die ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen wollen oder möchten und sich das verständlicherweise nicht so recht alleine zutrauen, denn: Da hängt eine Menge Arbeitsaufwand dran, inklusive strapazierter Nerven und drohender Fehlerquellen – vor allem juristischen.
Probieren Sie es also doch einfach mal mit Living in Berlin. Wir sind in diesem Bereich mit allen Wassern gewaschen – perfekt dosiert, denn bei uns geht kein Kunde ein. Ganz im Gegenteil: Jeder blüht am Ende des lukrativen Abschlusses auf; nicht nur, weil die Kasse klingelt, sondern weil alles reibungslos sowie stressfrei gelaufen ist.
Einen Versuch ist es wert, richtig? Und nur ein Anruf genügt.
Geschrieben von Susi Purol
