Nachbarschaftlicher Neuzugang: Vier Mini-Motorsägen. Klein, aber oho-renbetäubend. Juchhu!
Pia ist ein sehr lösungsorientierter Mensch. Nicht nur das: Dabei ist sie auch ausgesprochen kreativ (und unausgesprochen ebenfalls). Zum Beispiel hatte ihr damals vierjähriger Sohn Dalei (sie konnte nicht ahnen, dass sein Name mal Programm werden würde) eine Spuckphase. Und zwar intensiv.
Alle Versuche, ihrem Sprössling zu erklären, dass dies nicht wirklich dazu beitrage, von den derart Be-sprenkelten gemocht zu werden; dass es andere, weitaus klügere Möglichkeiten gebe, sich abzugren-zen, stießen auf fruchtlosen Boden. Auch Gemüse hätte sie so nicht anbauen können.
Und dann kam der Tag, wo ihr endgültig der Geduldsfaden riss (und im Nähen war sie schon immer einen Niete). Nicht nur, dass sich die Kindergärtnerin schon wieder über sein Verhalten beschwert, sondern ihr zudem auch den unmissverständlichen Wink mit dem Zaunpfahl (wo hatte die den bloß so plötzlich her?) gegeben hat, dass Pia sich doch mal ein biiiisschen Gedanken über ihre Erziehungsme-thoden machen KÖNNTE.
Als Dalai dann Anstalten machte, auch auf sie mit pfeilartigem Sabber zu zielen, kam ihr spontan eine Idee. „Mooooment!“, zischte sie in des Filius' Richtung, zückte ihr Handy, und während sie dann doch kleine Tröpfchen aus ihrem Gesicht wischen musste, tippte sie wild auf der Tastatur herum, wartete ein wenig und säuselte dann: „Ja, schööönen guten Tag, könnte ich bitte den Zoodirektor sprechen? Ich habe da ein super Angebot für einen Zuwachs für ihn. Ja, danke, ich warte.“ Aus den Augenwinkeln sah sie, dass ihr Söhnchen ihr nun seine volle Aufmerksamkeit schenkte.
„Hallo, wie schön, dass ich Sie erreichen konnte. Wissen Sie, ich habe da einen kleine Jungen, der es liebt zu spucken. Da dachte ich mir, er ist doch viel besser bei den Lamas, also bei seinesgleichen auf-gehoben als bei mir. Hätten Sie da noch ein Plätzchen für ihn? Hmmm, aah ja, ach so, na das ist ja toll!!! Heute noch? Klar, kein Problem. Jetzt gleich? Perfekt! Wir sind in einer halben Stunde bei Ihnen. Viiiielen Dank!“
Sie schaute ihren Minimann fröhlich an. Er schaute ängstlich zurück und flüsterte eingeschüchtert: „Ich will nicht zu den Lamas. Ich will bei dir bleiben, Mami.“
„Aber schau mal, Süßmatz, da kannst du spucken, wie du willst. Da ist keiner böse auf Dich, sondern im Gegenteil: ganz, ganz stolz!“
Um es kurz zu machen: Dalai fand erstaunlicherweise von jetzt auf gleich kein Interesse mehr am Spucken.
Genauso originell händelte sie ihren Freund Paul, der gerne Dinge im Haushalt tat oder auch nicht, die nicht getan werden mussten oder aber doch. So setzte sie sich einst zu ihm auf die Couch, blickte ihm tief in die Augen und sagte zu ihm mit spürbarem Ernst (oder war es Horst?) in der Stimme:
„Ich muss Dich mal etwas fragen. Und du antwortest mir bitte ganz ehrlich. Und egal, was, ich werde nicht böse sei. ÜBERHAUPT NICHT BÖSE! DU KANNST GANZ, GANZ EHRLICH SEIN.“ Ihre Augen fauchten dabei wie ein zum Sprung bereiter Löwe. Deshalb sank Paul auch ein wenig tiefer ins Sofa und er wis-perte wie ein Mäuschen, das gerade vor einem Grand-Canyon-weit geöffneten und sehr, sehr hungri-gen Maul um sein Leben bangte: „Öhm, äh, was denn?“
„Hast du…?“, und nun zog sie ein Holzbrett wie eine Pistole aus dem Halfter hinter ihrem Rücken her-vor, „das hier in die GESCHIRRSPÜLMASCHINE getan? OBWOHL ich dir ZIGMAL gesagt habe, dass man DAS hier NIEMALS NIE in die Geschirrspülmaschine tut?“
Paul zuckte merklich zusammen. Und das nicht nur einmal. Er hätte glatt als Zitteraal im Menschen-körper durchgehen können.
„HAST DU?“
Er schüttelte den Kopf.
„Du kannst es mir einfach geradeheraus sagen. SCHATZ.“
Wieder schüttelte er den Kopf und war schon kurz davor, gänzlich unter die Couch zu rutschen.
„Naaaa guuuut. Wenn DU es nicht warst. Und ICH ja auch nicht … dann muss hier jemand eingebrochen sein.“
„Aber ich …“
„Nix da. Du hast ja die Wahrheit gesagt. Das rechne ich dir HOCH an! Aber nun müssen wir entspre-chende Maßnahmen ergreifen.“
Am nächsten Tag war ein Mann vom Schlüsseldienst in ihrer Wohnung. Paul kam gerade nach Hause und setzte sich – natürlich – auf die Couch. Da vernahm er:
„Und das ist jetzt wirklich sicher?“
„Sie haben das beste System ausgewählt und können Ihre Wohnung nun Fort Knox nennen. Das sind Ihre 3.599 Euro wert. Verlassen Sie sich drauf.“
Pia nickte erfreut, erst zu dem Mann, dann zu Paul: „Schatz, wo ist deine Kreditkarte?“
Um es kurz zu machen: Es gab nie wieder Holzbrettchen in der Geschirrspülmaschine. Lag vielleicht daran, dass es gar keine Einbrecher gab. Nur so'ne Vermutung …
Aber dann, dann kamen die Kreischsägen ins Haus.
Zunächst war es ein Ehepaar mit einem Kind, nun sind es vier an der Zahl. Dagegen ist ja nix einzuwen-den, aber jedes einzelne von ihnen hat scheinbar nur eins im Sinn: Bei jeder Gelegenheit – vorzugs-weise, wenn ihnen etwas nicht passt, zum Beispiel, dass die Mama gerade für laaaange fünf Minuten gerade keine Zeit hat; das GEHT JA GAR NICHT! – ein so durchdringendes Sirenengeheul anzustimmen, bei dem die Nachbarn das Gefühl haben, aber schleunigst den nächstgelegenen Bunker ansteuern zu müssen.
Und das ist nicht nur nach hinten im Hof zu hören, sondern auch straßenseits und es strapaziert die Nerven nicht nur vor der Nachbartür, sondern auch auf dem Weg in den Park, die Kita … lange, sehr lange und sehr mürbe machend schallt es nach.
Dass der Papa an all diesen Orten ebenfalls klar und deutlich zu vernehmen ist, sprich: das Organ eines Brüllaffen hat, und alle zuhören können, was er zu sagen/rumzudonnern hat – ob sie nun wollen oder nicht – sei nur am Rande erwähnt. Da gibt es bestimmt keinen Zusammenhang.
Auf jeden Fall ging Pia dann irgendwann auf dem Zahnfleisch (das muss man erst mal können)
Aber dann kam ihr auch hier die zündende Idee (am Ende hätte sie – in ihrer wildesten Phantasie – auf ein alles beseitigende Geräusch-Explosion gehofft):
Sie stand auf ihrem Balkon, die Familie hielt sich entspannt (???) im Hof auf und es dauerte keine zwei Minuten, da ging das kindliche Martinshorn schon los. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier und schon stand's Glaszertrümmern vor der Tür.
Und da hatte Pia wieder einen ihrer Impulse
Ohne auch nur noch ein Sekündchen nachzudenken, schrie sie sich den Frust aus der Seele; in den allerhöchsten, schmerzhaftesten Oktaven, sie gab alles, bis keine Luft mehr aus ihren Lungen strömen konnte. Japsend hielt sie inne und siehe da:
Es herrschte Totenstille.
Wobei sie die Kleinen ja gar nicht ermorden wollte. Dennoch war es Balsam für ihre Seele. Fünf Au-genpaare starrten sie verblüfft an. Das Sechste, der Mama zugehörig, drehte sich auf der Bank, auf der sie rücklings zu Pia saß, um. Sehr langsam, sehr Zen.
Pia befürchtete schon einen Zornesausbruch mit Ansteckungsgefahr auf den Rest der Bande, da hob die Mama einfach nur den Dauen und lächelte.
Erleichtert, siegesgewiss und mit allem versöhnt, grinste Pia mit ebenfalls hoch erhobenem Daumen zurück.
Geschafft! TSCHAKAAA!!!
Pustekuchen.
Um es kurz zu machen: Diesmal hatte Pia keinen bleibenden Erfolg zu verzeichnen.
Aber hat sie denn irgendeine Chance, nicht zum permanenten Nervenbündel zu mutieren?
Nein. Und Ja.
Bei Kindern scheiden sich die Geister: Die einen lieben sie, die anderen fühlen sich von ihnen über-frachtet. Vor allem, wenn es um die Lautstärke geht, sei es nun das Hopsen auf dem Parkettboden über der eigenen Wohnung, das Indianer-Gejohle im Hof, das Krähen in den Öffis, ein nörgeliges Klein-kind oder fliegende Fetzen zwischen den Rangen.
Dabei stellt sich die Frage: Inwieweit muss ich das tolerieren? Gibt es eine rechtliche Grenze?
Laut diverser Gerichtsurteile bedeutet üblicher Kinderlärm keine Belästigung und muss daher hinge-nommen werden.
Dabei gibt es jedoch sowohl ein Pro als auch ein Kontra:
Kindlicher Spiel- und Bewegungsdrang gehört zu einer gesunden Entwicklung und der daraus resultie-rende Geräuschpegel etwa beim Spielen, aber auch das weinende oder schreiende Baby – ob tagsüber oder nachts – müssen Nachbarn im Großen und Ganzen akzeptieren.
Der Grundstein für das In-Kauf-Nehmen von Kinderlärm wurde bereits gerichtlich im Jahre 1982 gelegt, mit bis heute steigender Tendenz: Dieser „Ausdruck kindlicher Entfaltung“ wird als sozialadäquat und
somit zulässig angesehen, nicht nur in der häuslichen Nachbarschaft, sondern auch in der Nähe von Spielplätzen und Schulen.
Im Gegenzug dazu gilt jedoch:
Bei vermeidbarem Krach, der an Rücksichtslosigkeit grenzt, kann eine Mietminderung beziehungs-weise das Hinzuziehen eines Anwaltes gerechtfertigt sein – zumal Eltern dafür Sorge tragen müssen, dass die gesetzlichen Ruhezeiten auch von ihrem Nachwuchs eingehalten werden. Dabei gilt allerdings: je jünger die Kleinen sind, umso mehr Duldsamkeit wird von den Nachbarn gefordert.
Sollte der Radau also über die übliche Geräuschkulisse in Haus und auf dem Hof (und nur dort) hinaus-gehen, könnten Sie als Mieter eine Mietminderung durchsetzen – jedoch nicht ohne Ihren Vermieter vorher über die Lärmbelästigung zu informieren und ihn dazu aufzufordern, diese zu unterbinden.
Dabei ist die Höhe des Abzugs von Fall zu Fall unterschiedlich. Deshalb sollten Sie sich vorher juristisch beraten lassen, denn: Wenn Sie zu viel mindern und bei einem Rückstand von zwei vollen Monatsmie-ten landen, setzen Sie aufs Spiel, aus Ihrer Wohnung zu fliegen.
Ihre gefahrlosere Alternative: Suchen Sie das Gespräch mit den betreffenden Eltern
Wenn Sie es schaffen, ihnen freundlich und in aller Ruhe Ihr Anliegen vorzutragen und um Abhilfe zu bitten, kann das die friedliche Lösung bedeuten. Hilfreich dabei wären Kompromissvorschläge wie zum Beispiel das Toben in der Wohnung auf weichen Matten, die Bündelung der kindlichen Energie durch Bewegung, Musik und Tanz, Entspannungsspiele wie zum Beispiel „Stille Post“ oder das Ausmalen von Mandalas.
Zugegeben: Manche Eltern fühlen sich dabei heftig in ihrer Erziehung kritisiert, dann kann dieser Ver-such der Schlichtung/des Findens eines Auswegs leicht nach hinten losgehen. Aber hey: einen Versuch ist es allemal wert.
Dies gilt im Übrigen auch, wenn Sie sich hoffnungslos mit dem Verkauf oder der Vermietung Ihrer Im-mobile überfordert fühlen, weil Sie bei all dem, was für den Erfolg dringend zu beachten ist, völlig den Überblick verlieren.
Bevor aber Ihre Nerven zum Zerreißen angespannt sind, lassen Sie sich doch von Living in Berlin unter die Arme greifen. Wir stehen Ihnen zur Seite, räumen fachmännisch alle Hürden aus dem Weg und bringen Sie mühelos zum lukrativen Abschluss. Und das geht garantiert nicht nach hinten los, sondern gradlinig nach vorne durch Ihr angestrebtes, machbares Ziel.
Machen Sie einfach die Probe aufs Exempel. Komplett risikolos.
Nur ein Anruf genügt.
